Wazlav der Hamster
Normalerweise1 lese ich die Gazetta von ProLitteris nicht wirklich; das Ding versucht, selber Kunst zu sein, und in den meisten Fällen sind diese Versuche eher bemühend als erhellend. Kein Wunder also, dass das Ding ziemlich lange in meine Inbox liegen geblieben ist, und wohl direkt in die Papiersammlung gewandert wäre, wenn es sich nicht um ein Themenheft zu Kinder- und Jugendliteratur gehandelt hätte.
Das war nun schon etwas interessanter als all die wannabe-philosophischen Themen, die normalerweise von der Gazetta durchgeackert wurden, nicht zuletzt auch, weil ich es mir durchaus vorstellen könnte, dereinst auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendliteratur zu arbeiten – in welcher Form auch immer.2
Die Kombination aus diesem Heft und der Re-Entdeckung von Gabriel Vetter durch glückliche Umstände namens Stefan3 produzierten eine Gedankenverbindung: Was wäre, wenn Vetters Wazlav der Hamster als Kinderbuch publiziert würde? Die Geschichte ist ein einziger Wonneproppen – allein der Beginn ist zum Schiessen komisch:
Er war ein … Hamschter. Und es schiss ihn an, ein Hamschter zu sein. Er war ein ungarischer Goldhamschter. Ein reinrassiger ungarischer Goldhamschter war er. Und er hatte diese reinrassigen Hamschter-Backen wie jeder reinrassige ungarische Goldhamschter. Und er hatte ganz ganz kleine Füsse …
Der arme Kerl ist mit seinem Schicksal höchst unzufrieden, und würde viel lieber ein pfundiger Bernhardiner-Hund sein, der groooosse Fleischstücke verschlingen kann, und an Bäume ranstrullern kann und pfundig in saftige Alpenwiesen kacken kann … Spätestens hier quietschen nicht nur Erwachsene vor Freude, sondern auch Kinder, die sich sehr gut in den armen Wazlav einfühlen können, der doch nicht klein, sondern gross (und: erwachsen) sein möchte.
Man kombiniere diese Story mit Illustrationen von Wolf Erlbruch oder Quentin Blake4, und man hat ein Kinderbuch, das ich liebend gerne einem Göttikind erzählen oder schenken würde, hätte ich denn eines.
Allgemein finde ich, dass in der Poetry-Slam-Szene einiges Potential für Kinderbücher vorhanden wäre: und man verstehe mich hier bitte nicht falsch – ich bin der Meinung, dass auch Kinder hochstehende Texte verdienen, und nicht bloss irgendwelche Abfallkrumen aus der literarischen Produktion, die so nebenher anfallen. Die oftmals absurden Geschichten, die Wortspiele, all das macht nicht bloss Studenten Spass, sondern auch Kindern. Oder?
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Schrecklicher Anfang, ich weiss, und auf diesem Blog viel zu oft benutzt … ↩
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Dieses Interesse ist es auch, was für mich das Layouten und Lettern von Durch Dick und Dünn so interessant gemacht hat: Trotz der etwas unglücklichen Ausgangslage ein Layout zu machen, das den Lese- und Sehgewohnheiten von Jugendlichen entspricht, und sich damit möglicherweise den Erwartungen der Erwachsenen verweigert. Ich würde ganz gerne wieder an einem solchen Projekt mitarbeiten … ↩
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Thanks! ↩
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Bestens bekannt als Illustrator der (Kinder-)Bücher von Roald Dahl, die genauso politisch unkorrekt sind, und deshalb so lustig sind. ↩