Reise Reise
Was für eine. Muss wohl irgendwie ein schlechter Tag gewesen sein.
Natürlich hat mir Pa gesagt, dass ich zuviel Gepäck dabei habe. Und natürlich habe ich ihm nicht geglaubt. Und natürlich hätte ich unter anderen Umständen recht gehabt, wenn ich nicht dummerweise Aer Lingus geflogen wäre, die nicht 10kg Handgepäck, sondern nur 6kg erlaubt. In einen Trolley, der alleine schon fast 4kg auf die Wage bringt, passt da nicht mehr sehr viel rein. Schon gar nicht ein Laptop von 3kg …
Also musste ich den Laptop umpacken in das grosse Gepäck. Und darauf hoffen, dass sie auf dem Flughafen nicht Squash damit spielen würden. Oder Gepäckweitwurf. Und, versteht sich von selbst, 3kg Übergewicht bezahlen (*g* – Wahrscheinlich die einzige Art, wie ich irgendwie zu Übergewicht kommen kann …).
Mit dem Bezahlen ist das so eine Sache – das geht nämlich nicht am normalen Check-In-Schalter. Sondern nur am anderen Ende der Halle, an einem speziellen Aer Lingus-Schalter. Der natürlich um 14.30 Uhr schliesst. Und ich steh fünf Minuten zu spät da. Zum Glück war die Verantwortliche noch da …
Danach bemerken, dass mein Flug ab Dock E fliegt, was ein kleiner Ausflug mit der Metro bedeutet, dann – Mist! – noch die Gepäckkontrolle, was auch dauert, bis ich endlich am Gate stehe, wo ich schon mal angeschnauzt werde, ich sei nun aber sehr spät … Worauf ich dann zum Einsteigen trotzdem nochmal fünf Minuten Schlange stehen kann. Bingo.

Der Flug verlief an sich ereignislos. In Dublin hatte ich ja eigentlich geplant, mit dem Zug von Dublin nach Galway zu fahren. Nun war ich aber zu müde, um den richtigen Bus zur richtigen Bahnstation zu finden, und beschloss deshalb, wie mir zuvor von verschiedenen Seiten vorgeschlagen wurde, den Bus zu nehmen (Warum sollte ich den Bus nehmen? Mit der Bahn ist es viel bequemer – und ich bin mir von der Schweiz die Bahn gewohnt. Yadayada. Ich sollte lernen, auf andere Leute zu hören …). Den Bus finde ich nach etwas Suche tatsächlich, den richtigen sogar, und fahre damit in einer gut vierstündigen Fahrt nach Galway – quer durch Irland. Der Zug wäre möglicherweise bequemer gewesen, angesichts der Kopfschmerzen, die sich nach einiger Zeit einstellen, doch schlussendlich kommt die Endstation – Galway City Centre.
Ich steh in der Mitte der Stadt und habe trotzdem keine Ahnung, wo genau. Die Strassenschilder scheinen Verstecken zu spielen, finde ich eines, so ist es auf der kleinen Kartenkopie nicht zu finden. Ich weiss bloss, dass ich ein Hotel finden muss. Die Tatsache, dass Wochenende ist, die Stadt voller Touristen plus das Galway Arts Festival machen die Sache nicht gerade einfacher. Offenbar sehe ich zwischenzeitlich so verloren aus, dass mich ein Bewohner von sich aus fragt, ob ich Directions benötige … Mit deren Hilfe bin ich dann sogar in der Lage, das Hotel zu finden, wo ich nichts anderes zu tun habe, als Schlüssel in Empfang zu nehmen und in die komplett andere Richtung zur Residenz zu gehen. Doch diesmal nehme ich ein Taxi.
Die Residenz ist ein kleines Semi-detached Haus mit kleinen Zimmerchen, einer Küche und einem Wohnraum, jeweils von vier–fünf Leuten bewohnt – in einem Quartier, das nur aus den gleichen kleinen Häusern besteht. Bei mir leben bis jetzt eine Italienerin und zwei Schweizer Frauen – soviel zum Thema Immersion … ;)
Als erstes werde ich informiert, dass in einer Nachbarresidenz eingebrochen wurde (und zwar, währenddem eine Bewohnerin drin war und schlief (und es eigentlich, da die Häuser sehr ringhörig sind, sogar hörte)), sehr wahrscheinlich, um Wertgegenstände zu klauen. *Schluck*. Ich mit meinem Elektronik-Arsenal bin da wohl kein schlechtes Opfer. Die Häuser sind eher flott gebaut, kein Wunder also, dass es nicht gross Mühe macht, hier rein zu kommen. Leichte Ratlosigkeit allenthalben. Zeit, dass mir etwas mulmig wird.
Nun sitze ich auf meinem Bett und schreibe diesen Eintrag. Internetanschluss, geschweige denn W-LAN gibt es nicht. Keine Ahnung, wann ich den Eintrag ins Netz werde stellen können. Nun warte ich darauf, dass ein paar meiner Mitbewohnerinnen aufwachen und mich weiter in die Geheimnisse dieser Stadt einführen. (Ein Supermarkt, wo ich Lebensmittel kaufen kann, wäre schon mal nicht schlecht – bislang ernähre ich mich von Schokolade, die ich dabei hatte.)