Hello Kitty
Ich sitze im Zug nach Hause nach dem Blockseminar über Cultural Studies und würde jetzt gerne einen Eintrag schreiben, der sich unter anderem mit dem Auftauchen von Hello-Kitty-Accessoires beschäftigt, aber ich glaube, ich lasse das lieber sein – wurde mir doch vorgeschlagen, in meiner Seminararbeit zu meinem Vortrag, in dem auch Bloggen vorkam (wen wundert’s) doch auch einen autoethnographischen Teil zu schreiben, wenn ich schon selber bloggen würde – womit natürlich auch die Adresse hiervon bekannt würde. Na dann.
Um ehrlich zu sein, war ich ja nach der ersten Sitzung nicht sonderlich überzeugt. Die ganze Veranstaltung drohte zur Werbesendung für Cultural Studies zu werden, die im sozialwissenschaftlichen und im Quantitativen verhafteten Medienwissenschaftsinstitut der Universität Bern nicht wirklich bekannt sind – und wohl noch weniger praktiziert werden.
Hört man sich die Meta-Theorie der Cultural Studies an, scheint es sich um eine vage, kaum eingrenzbare Methode zu handeln, deren Existenz vor allem davon abhängt, ob der Forscher nun gerade denkt, er veranstalte Cultural Studies oder nicht. Auch ein Text von Laurence Grossberg mit dem vielversprechenden Titel «Was sind Cultural Studies» kann nicht mehr als feststellen, dass einige Studien Cultural Studies sind und andere nicht. Kein Wunder, war der Widerstand der anwesenden Studierenden recht gross zu Beginn. Schliesslich scheinen sich die Cultural Studies in ihrer Herangehensweise radikal vom vertrauten Begriff der Objektivität, dem festen Boden der harten Zahlen zu entfernen.
Erst durch die vorgestellten Referate hat man langsam ein Gefühl bekommen, um was es eigentlich geht. Glücklicherweise. Denn je länger, je mehr, sehe ich diese Cultural Studies als eine Möglichkeit, für meine Liz in Theaterwissenschaft die RPGs zu untersuchen – die RPGs, die sich gerade dadurch auszeichnen, dass sie nicht gerade verständlich sind, wenn man sie nicht selber spielt. Und diesen Vorteil habe ich – im Gegensatz zu anderen Theaterwissenschaftlern …
Was mich übrigens noch immer kolossal erstaunt, ist die Unwissenheit bezüglich Blogs. Ich meine – ich referiere vor Medienwissenschaftlern! Doch jedesmal, wenn ich das Wort Blog erwähne, bekomme ich aus dem Publikum nur massloses Erstaunen. Keine Ahnung, was Blogs sind, wie sie funktionieren – und warum sie heute wichtig sind. Und jedesmal bin ich selber kolossal erstaunt, dass sies nicht wissen. Ich sollte es langsam besser wissen.
Schlimm ist es ja nicht – dafür kann ich ja meine Facharbeit auch darüber schreiben, und sicher sein, dass das Feld noch nicht abgegrast ist.