2005-05-23T20:20

Wind in the Wires

Woven at 2005-05-23T20:20, coloured with .

Patrick Wolf: Wind in the Wires Cover

Noch selten ein so gutes Händchen gehabt, was Musik angeht: diese Entdeckung ist eine Entdeckung, und eine gute noch dazu.

Patrick Wolf – sowohl mit Lycantrophy, seinem Erstling, als auch Wind in the Wires#[wires] führt das weiter, was Björk mit Homogenic begonnen hat – Homogenic, das Album, das eine schöne Stimme und verzückte Streicher auf kratzige und basslastige Beats prallen liess:

I’m just trying to be truthful about what 1997 is. I’m talking about all the noises that most people call ugly in some instances because they’re too familiar. I’ve tried to reorganize them and put a bit of magic there.

[wires]: Allein wegen diesem Namen verdient es das Album, gekauft zu werden – wie schöner könnte der schon wunderbare Titel The Wind in the Willows modernisiert werden? Ach, Englisch und seine Alliterationen …

Patrick Wolf ist ebenfalls geübt in klassischen Streichinstrumenten und setzt diese in seinen detailreichen Arrangements immer wieder ein; Arrangements, die spielend gesampletes Hufgeklapper, Klavierläufe und Technobeats kombinieren: ein ironisches Augenzwinkern kann da durchaus vermutet werden.

After coming across the caviar and champagne mentality of music college, I realised the bravest thing is not to masturbate and make music for those with ten years of education.


The most daring hero I aspire to be is the one who can give all of themselves without snobbery or selfishness.
I will never compromise my music for the sake of popularity or success but If top of the pops comes 
calling I will embrace the opportunity to make magic and give love on a grand scale with open arms.

Im Gegensatz zu Björk, die trotz fortgeschrittenen Alters immer noch eine Mädchenstimme hat, würde man hinter der tiefen, aber flexiblen Stimme kaum einen etwas über zwanzigjährigen Jungen vermuten (und, wenn man sein Alter kennt, noch vermuten, dass alle Lieder aus seiner Feder stammen und sämtliche Instrumente bis auf wenige Ausnahmen von ihm selber gespielt werden), eine Stimme, die zusammen mit den manchmal wirbelsturmartigen Arrangements in den Bann zieht und einen kaum mehr loslässt. Glücklicherweise beschränkt er sich nicht darauf, nur «schön» zu klingen#[boygroups], sondern lotet, durchaus Björk ähnlich#[bjork], die Grenzen seiner Stimme aus. Da wird durchaus auch mal gegrunzt und gejuchzt.

[bjork]: Eigentlich verbittet er sich diesen Vergleich – aber man kommt kaum darum herum, vor allem, wenn man zuvor jahrelang immer Björk gehört hat.

[boygroups]: Boygroups haben wir ja wohl schon genug …

Beide Alben sind ausgezeichnet durch eine eigenwillige, kratzige, vielleicht manchmal sogar widerspenstige Schönheit, eine Schönheit, die ganz ungeschliffen daherkommt – und im Popzirkus gerade deshalb schön ist. Selten hat das Genre Alternative wirklich so alternativ, anders geklungen als alle andern. Sowohl Lycantrophy als auch Wind in the Wires wird bei mir bis auf Weiteres in Heavy Rotation bleiben, sollte ich nicht weiterhin meinen iPod im Geschäft vergessen … und dabei natürlich hoffen, dass eine Geisterkatze, eine Geistermaus, zwei Geisterschildkrröten sowie eine echte Katze und eine echte Taube Patrick Wolf weiterhin helfen, so gute Musik zu machen.

Dieser Artikel ist möglicherweise ein Ausflug in die Untiefen des Feuilletonismus. Was solls. Ich mag die Musik. Tagsoup: ,

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