2005-01-28T14:35

Entledigung des Bastards

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So. Nun hat sich die Sozial- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Uni Bern des ungeliebten Bastards Medienwissenschaft endlich entledigt: die Universitätsleitung hat deren Gesuch entsprochen, das Fach über die Klinge springen zu lassen.

Das Nebenfach Medienwissenschaften wird in Zukunft an der Universität Bern nicht mehr angeboten. Zu Diskussion steht stattdessen eine Zusammenarbeit mit der Universität Freiburg für einen Master-Studiengang. Die Leitung der Universität Bern hat am Dienstag dem Antrag der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät zugestimmt und damit die Schliessung des Nebenfachs Medienwissenschaften abgesegnet, wie Professor Roger Blum auf Anfrage einen Bericht der Tageszeitung «Der Bund» vom Donnerstag bestätigte. Der Beschluss sei die Konsequenz des Entscheids der Unileitung vom Dezember, dem Fach keine zusätzlichen Mittel zur Verfügung zu stellen und keinen zweiten Lehrstuhl zu schaffen. Blum ist im Berner Institut für Medienwissenschaften allein für 900 Studenten zuständig.

Das ist nun der letzte Akt einer endlosen Serie verschiedenster Szenarien, in denen das Institut zu verschiedensten Fakultäten gereicht wurde: einmal war von einer Eingliederung in die Phil.-Hist. die Rede, später von einer neu zu gründenden Fakultät (zusammen mit Psychologie und Sportwissenschaft, wenn ich mich nicht irre). Jede dieser Lösungen war der Uni-Leitung zu teuer – lieber gibt man 900 Studenten einen metaphorischen Arschtritt und kappt ihnen ihr Fach. Während die Comedia berechtigterweise protestiert, bleibt es auf der Website der Uni Bern verdächtig ruhig – als wolle man, in gut russischer Manier, einfach mal ein wenig Gras darüber wachsen lassen, solange, bis dann niemand mehr danach fragt.

Ich habe nicht die geringste Ahnung, was sich die SozWi eigentlich davon verspricht: denn mehr Studenten wird sie damit nicht bekommen. Ich vermute, dass viele der jetzigen Medienwissenschaftsstudenten entweder auf eine andere Uni ausweichen – oder aber in andere Sprachfächer, wie etwa Germanistik. Es wird kaum mehr SozWi-Studierende geben, als es heute schon gibt – und damit wird es auch nicht mehr Geld geben.

Der Entscheid, die Medienwissenschaft zu schliessen, hat aber noch andere Konsequenzen. So wird es in Zukunft nicht mehr möglich sein, Medien- und Theaterwissenschaft in Bern zu studieren – eine Kombination, die sich bis heute einiger Beliebtheit erfreut hat. Es ist vorauszusehen, dass viele der Studenten, die heute im Hauptfach Theater- und im Nebenfach Medienwissenschaft haben, in Zukunft an einer anderen Universität Medienwissenschaft studieren werden – und das möglicherweise im Hauptfach. Wenn diese nun nur im Nebenfach Theaterwissenschaft in Bern studieren, erscheinen sie nicht in den Statistiken der Uni Bern, was wiederum zur Folge hat, dass das ITW nur wenige Studenten zu haben scheint und deshalb auch kaum Geld, und schon gar nicht eine weitere Professur benötigt – ein Problem, das schon heute existiert und sich nun noch verschärfen wird.

Der Entscheid wird umso unverständlicher, wenn man weiss, dass die Medienwissenschaft eines der Boom-Fächer an der UniBe war. Aber offensichtlich hat es die Uni Bern nicht nötig, attraktiv für Studenten zu sein – lieber sumpft man irgendwo im Mittelfeld der Rankings herum, ohne auch nur irgendwo wirklich gut zu sein …

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