Transquoting revisited
Ted Nelson kann es nicht lassen und meldet sich wieder – mit einer Idee, die er schon lange verfolgt: We came before the Web, and we mean to fix it
. Was er bringt, ist eine weitere Version seines Transquoting, diesmal «The Little TransQuoter™» genannt.
Die Idee dahinter ist immer die gleiche: Zitate benutzen zu können, die direkt auf die Quelle verweisen. Ted Nelson demonstriert das auch hübsch an einem Beispiel. Leider muss man dazu wissen, dass alle Beispiel auf einem Server platziert sind, der es ermöglicht, Abschnitte eines Textes direkt zu verlinken, also eine Art «Deep-Deep-Linking». Ich glaube nicht, dass es irgendwelche andere Server gibt, die das unterstützen.
Es scheint mir jedoch langsam, dass Ted Nelson weiterhin gegen Windmühlen kämpft. Denn die Möglichkeit, Zitate mit ihrer Quelle zu verknüpfen, ist auch in XHTML nicht unbekannt, bloss verarbeiten die meisten Browser diese zusätzliche Information nicht in geeigneter Weise. Wer mein Blog kennt, wird gemerkt haben, dass unter Zitaten jeweils die Quelle steht.
Wer sich den Quellcode ansieht, wird bemerken, dass diese Information nicht einfach angehängt ist, sondern dem cite-Attribut des <blockquote>-Tags entspricht. Die Anzeige wird dabei rein über das CSS gesteuert (nach dieser Methode). Durch diese Information kann einem Zitat auch mit XHTML eine Quelle hinzugefügt werden – auch wenn sich das Zitat nicht automatisch aktualisiert, wenn sich das Original verändert. Ob dieses Verhalten überhaupt erwünscht ist (ein Verhalten, das ich eher gefährlich finde), habe ich schon in meinem Essay geschrieben.
Das Problem ist also nicht eine nicht vorhandene Möglichkeit, sondern nicht vorhandene Unterstützung auf Browser-Seite. Firefox ist gerade mal der einzige Browser, der etwas mit dieser Information beginnen kann. Der Nutzen davon ist jedoch gering. Ruft man das Kontext-Menü über dem Zitat auf, kann man Properties anwählen und wird dann mit folgendem Fenster beglückt:

Die Quelle wird angezeigt, aber weiter kann man nichts machen – die Angabe ist nicht einmal verlinkt. Andere Browser wie Opera oder Safari (andere Möglichkeiten können aufgrund ungenügender Qualität nicht dazugezählt werden) tun gar nichts mit dieser Information. Das ist ihr Recht. Aber auch nicht gerade besonders nützlich.
In diesem Sinne ist es kein Wunder, dass Ted Nelson das Web reparieren
will – bloss muss er dazu nicht neue Markup-Sprachen, Dateiformate und Server erfinden, sondern an die entsprechen Browserhersteller gelangen und da was verändern. Und wenn es komplizierter werden sollte: XHTML ist modular aufgebaut, also sollte es keine Schwierigkeiten bereiten, in speziellen Fällen hier eine Erweiterung zu bauen. Aber eben: XML is eeevil …
[Dank an und via Lawrence Lessig]
fetter beitrag, thanks
[...] Im Dezember 2004 hat Ted Nelson ein Stück Software herausgebracht, das TransQuoting auch im WWW ermöglichen soll. Was ich davon halte, kann hier gefunden werden. ↩ [...]