2004-10-31T21:14

Nichtstun

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habe ich dieses Wochenende zelebriert. Nun ja, ich habe nicht gerade nichts gemacht, aber zumindest nichts sonderlich produktives. Hat aber gut getan.

Und weil ich das jetzt auch wirklich durchhalten will, gibt es, schon bei der Folge Zwei der Serie Designer’s Monday keine Fortsetzung. Muss wohl auf nächsten Montag warten. Eigentlich hätte ich mir ja vorgenommen, einige dieser Folgen vorzuarbeiten (WordPress erlaubt es, dass man das Publikationsdatum eines Eintrages in der Zukunft setzen kann, und der Eintrag erst dann angezeigt wird, eine Funktion, die ich äusserst praktisch finde, wenn man so etwas wie diese Serie macht), aber ich habe nichts gemacht. Auch an Ages of Ice habe ich nichts geschrieben, obwohl in meinem kleinen schwarzen Büchlein die nächste Fortsetzung schon steht und in meinem Kopf eigentlich auch schon die Geschichte in ihren groben Zügen steht.

Aber dieses Wochenende habe ich nun nicht geschrieben, sondern war ausschliesslich mit Lesen beschäftigt.

Tad Williams: River of Blue Fire (Otherland 2)

Keine Ahnung, wann ich zum letzten Mal einfach einen Tag mit Lesen verbracht habe. Aber irgendwie – bei Tad Williams River of Blue Fire kann man nicht einfach mitten drin aufhören. Unmöglich. Der Mann schafft es, mindestens fünf verschiedene Stränge offen zu haben und alle weiter zu erzählen, ohne dass es einem langweilig wird oder nichts mehr kapiert. Was noch besser ist, er schafft es, den Spannungsbogen über das gesamte Buch aufrecht zu erhalten – indem er, unter anderem, am Ende des vorigen Bandes (City of Golden Shadow) in eine Gruppe von Überlebenden einen Mörder platziert, man aber nicht weiss, wer von ihnen es ist. Das Rätsel wird erst am Ende des zweiten Bandes aufgelöst, über 700 Seiten später. Kein Wunder, wurde es heute morgen drei Uhr. Oder vier, wenn man die Zeitumstellung nicht einrechnet …

Gerade eben habe ich bei taking the red pill einen weiteren Artikel über Entlassungen wegen Bloggens gelesen, durchaus nicht der erste Fall – man kann sich auch noch gut an den Microsoft-Mitarbeiter erinnern, der ein Foto veröffentlichte, das einen Laster voller PowerMacs G5 vor Microsofts Headquarters zeigte … Die Fälle häufen sich in dem Ausmass, in dem immer neue Blogs eröffnet werden – nicht wirklich ein Wunder. Die Firmen wissen, genausowenig wie die traditionellen Medien, was sie davon halten sollen. Meistens wissen sie nicht einmal, was Blogs sind.

Ich kenne die spezifischen Details der jeweiligen Fälle nicht, zugegeben. Und es ist klar, dass Blogs eine neue Form sind, deren Grenzen und Möglichkeiten selbst von ihren Autoren ausgetestet werden müssen. Durch ihre Form, die oftmals Privates öffentlich zugänglich macht (dazu unten mehr), steht das Blog in einer eigenartigen Position zwischen dem Tagebuch oder dem Gespräch in der Familie oder Freunden sowie den öffentlichen Zeitungen und Magazinen. Darf ein Blogger über seine Arbeit schreiben, so wie er darüber mit seinen Kollegen sprechen würde? Muss er, weil sein Blog öffentlich und theoretisch von einer unbegrenzten Zahl Besuchern gelesen werden könnte, journalistische Tugenden wie Ausgewogenheit, Fairness beachten, gut recherchierte Fakten präsentieren können?

Die Grenzen sind fliessend – sowohl in der Praxis des Bloggens wie in der Praxis des Wegen-Bloggens-Kündigen. Der Mitarbeiterin von Friendster wurde gekündigt, weil sie veröffentlicht hatte, dass Friendster seine Website von Java auf PHP umgestellt hatte – eine Tatsache, die man allein an der Dateiendung in der Adresszeile des Browsers auch so hätte herausfinden können. Der Flight Attendant wurde ein Foto zur Stolperfalle: denn eigentlich hatte sie sämtliche Angaben über ihren Arbeitgeber anonymisiert, doch auf dem Foto war sie zu sehen – in ihrer Uniform, die man (mit dem nötigen Wissen) als Uniform der Delta Airlines identifizieren konnte.

Natürlich haben die Blogger eine Verantwortung, was sie veröffentlichen und was nicht. Vielleicht ist es aber auch der Zeit, dass die Arbeitgeber aufmerken, dass ihre Arbeit am CI eben nicht nur Arbeit am Corporate Image, sondern vielmehr Arbeit an der Corporate Identity bedeutet. Wenn Firmen wollen, dass ihr sorgfältig aufgebautes Image in der Öffentlichkeit nicht plötzlich durch ihre eigenen Mitarbeiter sabotiert wird, so müssen sie wohl oder übel dafür sorgen, dass das Image nicht nur gegen Aussen existiert, sondern auf innerhalb der Firma gelebt wird. So werden sie auf loyale Mitarbeiter zählen können, die sich vielleicht zwischendurch auch zu Lobhudeleien auf ihren Blogs hinreissen lassen – was ja dann für das Image auch nicht so schlecht sein kann. Mal abgesehen davon, dass Mitarbeiter sich so oder so besser arbeiten, wenn sie das Gefühl haben, dass die «Mission» der Firma ihrer eigenen entspricht – wie auf taking the red pill auch schon räsoniert wird.

Und über das Private, das öffentlich zugänglich ist – Aaron Swartz (unter Anderem auch Erfinder von RSS (mit ca. 14 Jahren. Soweit ich weiss)) hat dazu auch einige interessante Gedanken. In der Tat: Cyber- und Meatspace#[meat] sind zwei verschiedene Dinge. Ich bin mir durchaus bewusst, dass das, was ich hier im Cyberspace publiziere, auch Auswirkungen im «echten Leben» haben kann (manchmal erwarte ich das sogar), doch wenn es passiert, bin ich oft trotzdem überrumpelt, irgendwie. So als ob mein Ich hier ein anderes wäre als das, was so tagtäglich blauäugig durch die Welt stolpert … ;-) Nicknames und Pseudonyme sind eben doch nicht nur Schall und Rauch, sondern tragen wohl auf ihre Art und Weise wirklich eine alternative Persönlichkeit in sich. Vielleicht nur eine Persönlichkeitsfacette …

Sounds drunk.#[drunk] Ich gehe besser schlafen.

[meat]: Grins … ich liebe diesen Ausdruck für RL. Evoziert interessante Bilder. [drunk]: Bin es aber nicht. Ehrlich.


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