2004-09-06T22:38

Der Bildschirmschoner-Finder

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Das folgende Tutorial soll zeigen, wie man mit auf relativ einfache Weise eine Art Kiosk-Anwendung erstellen kann, wie sie etwa für Messen gebraucht wird. Die hier präsentierte Lösung ist in keiner Weise perfekt, aber trotzdem ganz gut anwendbar, ist man sich der «Nachteile» bewusst:

  • Die Lösung ist nicht interaktiv, es gibt keine Möglichkeit für die Benutzer, mit der Anwendung zu interagieren (dazu gibt es etwa die Safari-Erweiterung Saft).
  • Obwohl die Lösung das standardmässige Verhalten des Bildschirmschoners ausser Kraft setzt, ist die Lösung nicht 100% sicher – für jemand mit -Erfahrung ist sie mit etwas Gekniffel «knackbar». Die Lösung ist deshalb nur in halbüberwachten Räumen möglich, wenn man zwischendurch ein Auge auf die Besucher werfen kann.

Diesen Bildschirmschoner-Finder habe ich erfolgreich an einer Messe (forumcinfo) benutzt und hatte keine Probleme damit. Ich übernehme jedoch keine Haftung für Schäden und Datenverluste auf anderen Macs – Anwendung auf eigenes Risiko.

Let’s have fun.

  1. Zuerst bereitet man die Bilder vor, die anschliessend gezeigt werden sollen; am besten in einem Bildbearbeitungsprogramm. Zehn bis zwanzig Folien sollten eigentlich reichen. Am besten ist natürlich, wenn sie schon auf die Bildschirmgrösse zugeschnitten sind. Ausserdem sollte man auf eine nicht allzu grosse Textmenge achten; die Dauer, mit der jedes Bild gezeigt wird ist fix und liegt bei etwa 6–7 Sekunden. Lieber aus einer Folie zwei machen. (Ich habe übrigens InDesign und Acrobat benutzt, um meine Folien zu erstellen.)

  2. Dann kopiert man die einzelnen Bilder in einen Ordner und stellt diesen wiederum in den Ordner /Benutzer/Für alle Benutzer/.

  3. Danach öffnet man die Systemeinstellungen und kreiert einen neuen Benutzer. Ich habe diesem Account den Namen KioskMode und den Kurznamen kiosk gegeben. Die Vergabe eines Passwortes ist nicht nötig, kann aber vorgenommen werden. Die Rechte können vorerst auf dem Standard belassen werden. Am besten stellt man auch noch gleich den «Schnellen Benutzerwechsel» ein, denn in der Folge wird man etwas zwischen den beiden Accounts wechseln müssen. Um genau zu sein: gerade jetzt ist dies nötig.

  4. Im neuen Account öffnet man iPhoto und importiert die Bilder. Mit diesen Bildern erstellt man ein neues Album und organisiert die Bilder in der gewünschten Reihenfolge. Soll ein Bild besonders lange gezeigt werden, kann es hier auch dupliziert und nacheinander gestellt werden, dies hat später eine (scheinbare) doppelte Anzeigedauer zur Folge. Dann wechselt man zu den Systemeinstellungen.

  5. Unter den Einstellungen für den Bildschirmschoner wählt man nun das eben erstellte Album aus und konfiguriert es wunschgemäss. Ich wählte Weiches Überblenden, Bildschirmfüllend und Zentrieren. Je nach Bildmaterial kann man das Ganze noch ein wenig herumzoomen lassen, damit verschwindet aber auch der Effekt, den man mit gedoppelten Bildern erreicht: dass sie nämlich doppelt so lang angezeigt werden.

  6. Zusätzlich kann man noch ein Bild der Sequenz als Schreibtischhintergrund auswählen.

  7. Dann geht man zu den Einstellungen Energie sparen und schaltet sowohl den Ruhezustand des Computers und des Bildschirms aus. Stattdessen aktiviert man den Ruhezustand der Festplatte und stellt (je nach Modell) die Prozessor-Leistung auf Minimal – soviel Power braucht der Bildschirmschoner nämlich nicht.

  8. Nun wenden wir uns noch dem Dock zu. Zuallererst ziehen wir sämtliche Programme – ausser dem Finder – hinaus. (Wann hat man schon Gelegenheit, so viele Male den «Poof»-Effekt zu beobachten? Geniesst es!) Dann platzieren wir es auf der linken Seite (wo es wohl die wenigsten Leute erwarten) und aktivieren die Option Automatisch ausblenden. Das Dock wird uns später behilflich sein, aus dem Kiosk-Modus wieder herauszufinden.

  9. Jetzt kann man aus dem Kiosk-Modus wieder ausloggen. Zurück im normalen Account öffnen wir wieder die Systemeinstellungen und gehen zu den Benutzeraccounts. Hier deaktivieren wir praktisch sämtliche Rechte des Kiosk-Modus: Unter Einschränkungen wählt man Bestimmte aus und deaktiviert sämtliche Optionen. Auch für die Programme kann man Alle deaktivieren klicken. So können keine Programme ausgeführt werden – ausser eben dem Bildschirmschoner und dem Finder.

  10. Und jetzt – trara – der grosse Trick: wir suchen das Bildschirmschoner-Programm und lassen es nach dem Einloggen anstelle des Finders starten. Das Bildschirmschoner-Programm ist ein gewöhnliches -Programm wie alle anderen auch, bloss ist es ziemlich gut versteckt. Indem wir es anstelle des Finders starten, erreichen wir, dass es nicht einfach beendet werden kann (was ja bei einem Bildschirmschoner normalerweise der Fall ist): es startet, angefeuert vom Loginwindow, immer wieder neu auf. Da dieses Bildschirmschoner-Programm gut versteckt ist, ist es am besten, es im /System-Ordner zu suchen. Das Ding nennt sich ScreenSaverEngine.app, und versteckt sich bei mir unter diesem Pfad: /System/Library/Frameworks/ScreenSaver.framework/¬Versions/A/Resources/ScreenSaverEngine.app.

  11. Dann setzen wir uns hinter das Terminal, loggen uns als Kiosk-Benutzer ein und setzen diese Engine als Finder ein. (Die #Kommentare müssen nicht eingegeben werden.)

    login kiosk 
    Password:
    defaults write com.apple.loginwindow Finder /System/
        ¬Library/Frameworks/ScreenSaver.framework/
        ¬Versions/A/Resources/ScreenSaverEngine.app
    logout
    
  12. Nun können wir wieder in den anderen Account einloggen. Statt des Finders wird nun von Anfang an der Bildschirmschoner laufen. Wird die Maus bewegt, so kehrt der Mac für einen kurzen Moment zurück auf den Schreibtisch, um gleich wieder den Loop zu beginnen.

  13. Um zu beenden, bewegen wir die Maus an den linken Bildschirmrand, bis das Dock auftaucht und klicken auf das Finder-Symbol. Das Ganze wird zwischendurch wieder vom Bildschirmschoner unterbrochen (das Ding wird so ziemlich aggressiv …). Sobald der Finder gestartet ist, stoppt der Bildschirmschoner und wir können normal ausloggen. Und das war’s!

Wie man sieht, kann man relativ einfach aus diesem Kiosk-Modus aussteigen – wenn man weiss, wie. Da jedoch sämtliche Programme deaktiviert worden sind, kann er mit dieser neu gewonnenen Freiheit nicht sehr viel anfangen … Trotzdem mein Rat, das noch jemand in der Nähe sein sollte, der verdächtige Verhaltensweisen beobachten könnte. Ansonsten können Besucher gut ein wenig auf der Tastatur rumspielen oder mit dem Trackpad – der Screensaver setzt einfach wieder ein. Was der Sinn der ganzen Umstände ist.

Das Ganze lässt sich natürlich beliebig erweitern … so gibt es ja auch Bildschirmschoner-Module, die Flash- und Quicktime-Filme abspielen – warum nicht so eines verwenden?

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