2004-07-29T21:52

Reinheitsgebot

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Denglisch in der Werbung: Komm rein und finde wieder raus - UniSPIEGEL - SPIEGEL ONLINE [via bloglik™ ]

Interessant scheint es mir da den Vergleich zur Schweiz zu ziehen. Selbst wenn hier der Spiegel moniert, dass überall «Denglisch» benutzt würde: Kommt man aus der Schweiz nach Deutschland, so fällt einem als erstes eines auf: All die Plakate, die man «von zu Hause» kennt, sind auf Deutsch übersetzt. McDonalds («I’m loving it») wird plötzlich geliebt, Smirnoff Ice («Serve Extra Chilled») sollte eiskalt serviert werden. Kein Wunder, erscheint ein solcher Text, der schon den Untergang der deutschen Sprache heraufbeschwört, ein wenig übertrieben. Die Deutschen sind längst nicht so weit wie die Schweizer – was vielleicht auch daran liegen kann, dass die meisten Schweizer sowieso Deutsch nur ungenügend beherrschen. Schliesslich wird ihnen das auch in neun Jahren Schule fleissig abgewöhnt.

Die angesprochene Studie krankt schon in der Anlage: der Punkt der meisten englischen Claims ist ja nicht, dass sie verstanden werden sollen. Der Gebrauch von verschiedenen Sprachen dient - zumindest in der Werbung – darum, ein gewisses Image, eine Atmosphäre hervorzurufen. Wenn man modern, zukunftsweisend, fortschrittlich erscheinen, Lifestyle, eine urbane Lebensweise vermitteln will, so verwendet man Englisch. Will man Exklusivität, Luxus und Klasse demonstrieren, so tut man das schon seit längerem mit Französisch. Will man Exotik, südlichen Lebensstil demonstrieren, so tut man das mit Italienisch oder Spanisch. Will man alltägliche Werte, Sicherheit vermitteln, so tut man das mit Deutsch – denn dies ist die Sprache, mit der wir aufgewachsen sind, die uns täglich umgibt.

So scheint es, als ob alle diese Sprachen ihren Platz hätten. Doch weit gefehlt: Werbungen in französisch, italienisch, spanisch scheinen eine Bereicherung zu sein – englische Werbung provoziert den Sprachrettungsklub. Bin ich der einzige, dem das ein wenig eigenartig erscheint? Doch nicht genug: Statt dessen wird grossartig die deutsche Sprache propagiert. Ehrlich gesagt: «Ich liebe es», «Preise gut, alles gut», «Sat.1 zeigts allen», «Geiz ist geil» oder «Ich bin doch nicht blöd» sind nicht gerade sonders intelligente Anwendungen der deutschen Sprache. Das Problem wird sein, dass Otto Normalverbraucher, wie die Pisa-Studie gezeigt hat, bessere Claims auf Deutsch genauso wenig verstehen würde wie ihre englische Pendants (Oh Schreck – ein französischen Wort! Deutsch ist soeben verschieden!).

So wird das Englische in Werbungen wohl noch eine Weile lang bleiben. Mag sein, dass irgendwann in der Zukunft Japanisch unglaublich hip wird, so dass es auf unseren Plakatwänden auftauchen wird … Verständnis? Null. Verhunzt es das Deutsche? Vielleicht …

Wahrscheinlich nicht. Genau so wenig wie das Englische – wem Sprache auch nur annähernd ein wenig wichtig ist, wird sich selber bewusst werden, dass es stillos ist, englische Wörter in einen ansonst deutschen Text zu embedden, obwohl es durchaus ein gleichbedeutendes deutsches Wort gäbe. Und die anderen? Die könntens auch auf Deutsch nicht besser.

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One Comment for «Reinheitsgebot»

  1. xeophin writes ():

    Scheint so, als seien da ein paar Kommentare verloren gegangen: offenbar hat Spam Karma ein wenig zu stark eingegriffen – und hat hinterher auch nicht nachgeprüft, ob der Poster wirklich ein Mensch war, wie es das eigentlich tun sollte. Böses Plug-In.

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