2003-11-04T14:13

Vito Ouvensen

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Er hatte dagesessen. Die Zähne aufeinander gebissen, versuchte, nicht zu atmen, währenddem ihm die Tränen in Sturzbächen über die Wangen liefen. Musste mithören, das Keuchen, das Ächzen, das Knacken des Bettes. Die Stimme der Mutter, die sich versuchte, zu wehren, aber nicht stark genug war, um gegen den schwergewichtigen Bronnjaren anzukommen. Schliesslich verlor dieser die Lust an der Unwilligen, und mit seinem Rasiermesser schnitt er ihr die Kehle durch und stiess ihren zusammensackenden Körper von der Bettkante. Doch er konnte nicht verhindern, dass sich ein blutroter Striemen quer über das weisse Leinen zog. Der Junge erstarrte und schluchzte laut auf.

Er hält inne und lässt die zwei anderen Bälle in seine Hand plumpsen. Dann sieht er nach unten. Ein kleiner Junge hat den Ball aufgefangen und hält ihn in die Höhe. Vito winkt ihm zu. «Wirf ihn hoch!» Der Junge lacht, zieht auf und wirft den Ball zu Vito. Doch Pech, er ist zu weit entfernt, und er kann ihn nicht fangen. Der Ball fällt zurück. Der kleine Junge versucht ihn wieder zu fangen, und wirft dabei eine etwas dickliche Frau über den Haufen, aber das lohnt sich, denn der Junge schnappt ihn, und versucht ein zweites Mal den Ball hochzuwerfen. Und dieses Mal schafft er es. Vito kann den Ball fangen. Dafür klaubt er eine Murmel aus seiner Gürteltasche und wirft sie hinter zum Jungen, der diese auffängt und staunend anstarrt. «Danke!» ruft Vito hinunter und grinst, doch der kleine Junge sieht ihn nur mit offenem Mund an, die Hände fest um die Murmel geschlossen. Und Vito beginnt wieder, seine Bälle durch die Luft zu wirbeln, während er langsam zu anderen Ende des Seils balanciert. Dort wendet er sich um und sieht nach unten. Die Büttel versuchen, sich mit ihren Hunden einen Weg durch die angesammelte Masse zu bahnen. Nicht ein ganz einfaches Unterfangen, auch wenn die Hunde an der Leine zerren und drohend knurren.

Die Madascheibe stand schon hoch am Firmament, und die Hunde waren nicht müde geworden, sehnsüchtig zu heulen. Der Wind frischte auf und trug ihre Klagen über die endlosen Wälder und Steppen Bornlands. Die ersten Wolken zogen über Madas Angesicht. Das Wetter würde wechseln. Der Bronnjar hat kaum Zeit, sich nach dem ungewöhnlichen Geräusch umzusehen, da stand der Junge schon vor ihm, seinen kleinen Dolch fest mit beiden Händen umklammert. Und mit einem Gemisch aus Weinen und wütendem Heulen rammte der Junge das Messer in des Bronnjaren Brust, immer und immer wieder, bis dessen Hemd in Fetzen im ganzen Zimmer verteilt war. Das einstmals weisse Leinen war in Blut getränkt, der Bronnjar sass darauf, leicht schräg an die Wand gelehnt, und das Blut rann ihm noch immer über die Brust. Der kleine Junge kniete am anderen Ende des Bettes, erschöpft. Die Tränen flossen noch immer, liefen über seine Wangen, sammelten sich am Kinn und tropften auf den Dolch, den er in seinen schlaffen Händen hielt. Und wo die Tränen auf die Klinge trafen, wuschen sie das Blut fort und hinterliessen eine Spur blanken Stahls. Eine lange Zeit blieb der Junge so sitzen, bis das Licht im Zimmer ausging, und nur noch Mada durch das kleine Fenster schien. Schliesslich versiegten die Tränen. Der Junge sah auf. Die Nacht liess das Schreckliche in Dunkelheit verschwinden, aus blutrot wurde schwarz. Der Junge wusste, er musste fliehen.

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One Comment for «Vito Ouvensen»

  1. giladril writes ():

    Hübsche Geschichte.

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